Pressestimmen
14.02.2017 Daniel Häfele Fahrlehrer hat bei Senioren wenig zu kritisieren Stadtseniorenrat bietet Fahrfitness-Checks an – Goeth: „Gerade ältere Menschen fahren defensiv“ Biberach sz Spätestens wenn ein älterer Autofahrer in einen Unfall verwickelt wird, kommt die Diskussion über verpflichtende Fahreignungsprüfungen auf. Marlene Goeth, Vorsitzende des Stadtseniorenrats Biberach, und der Ummendorfer Fahrlehrer Roland Epple halten davon nichts. „Gerade ältere Menschen fahren defensiv, weil sie Angst haben, durch einen Unfall ihren Führerschein und damit ihre Mobilität zu verlieren“, sagt Goeth. Um ihnen „mehr Selbstbewusstsein im Straßenverkehr zu geben“, bietet der Stadtseniorenrat in Kooperation mit dem ADAC und dem Fahrlehrerverband Baden-Württemberg Fahrfitness-Checks für Senioren an. Im ersten Jahr des Angebots hat Roland Epple auf dem Beifahrersitz von 50 Autofahrern aus Biberach und der näheren Umgebung im Alter zwischen 65 und 92 Jahren Platz genommen. Er ist sehr zufrieden mit dem Können der getestet Senioren: „Nur Neuerungen, wie zum Beispiel das Linksabbiegen an der Rißbrücke oder das Einfädeln in die Nordwestumfahrung, machten Probleme.“ Fahrprobe plus Besprechung Im Gegensatz zu Fahrsicherheitstraninigs ist Epple mit den Senioren nicht auf einem Verkehrsübungsplatz unterwegs. „Wie fahren ganz normal im Straßenverkehr und schauen uns vor allem die Strecken an, auf denen der Betreffende im Alltag unterwegs ist“, erläutert der Fahrlehrer. Eine Fahrprobe dauert etwa 45 Minuten, noch einmal so viel Zeit ist für eine Vor- und Nachbesprechung vorgesehen. Epple ist übrigens der einzige Fahrlehrer im Landkreis Biberach, der die Qualifikation für einen solchen Fahrfitness-Check erworben hat. Zusätzlich zu den Fahrstunden gibt es auch Vorträge. Von den 50 getestet Senioren im vergangenen Jahr hat Epple nur einem Autofahrer empfohlen, künftig die Hände vom Lenkrad zu lassen. „Er zeigte beim Fahren eine verzögerte
Reaktion“, so der Fahrlehrer. Zu spätes Bremsen vor den Ampeln, zu schnell in der Kurve – es habe gleich mehrere brenzlige Situationen gegeben. Die Familie richtete daraufhin für ihren Opa einen Fahrdienst ein. Der Stadtseniorenrat bietet in solchen Fällen ebenfalls Hilfe an. „Die Stadtwerke Biberach und der Ding-Verbund gewähren einen Zuschuss beim Kauf eines Tickets und wir beraten über die Nutzung des ÖPNV“, sagt Marlene Goeth. Abgesehen vom Fahren, geht es auch um das Auto des Seniors. „Das Auto muss zum Fahrer passen“, so Epple. Ein Ehepaar hatte beispielsweise ein gemeinsames Fahrzeug: groß und PS-stark. Der Mann sei damit wunderbar zurecht gekommen, seine Frau fühlte sich unsicher. „Also habe ich beiden ans Herz gelegt, sich ein für beide passendes Auto zuzulegen.“ Und in der Tat hatte das Ehepaar seinen Rat befolgt, wie Epple wenige Wochen später bei einer zufälligen Begegnungen auf einem Supermarkt-Parkplatz feststellte. Darüber hinaus nimmt sich der Fahrlehrer Zeit, den Älteren die Assistenzsysteme des Fahrzeugs zu erklären: „Technische Systeme wie jene für den toten Winkel können sehr nützlich sein und vor Unfällen schützen.“ Senioren sind aufs Auto angewiesen Apropos Unfälle: Goeth betont, dass Senioren im Vergleich zu den 18- bis 24-Jährigen deutlich sicherer fahren. Sie bezieht sich dabei auf Zahlen des Statistisches Bundesamts. Pro einer Million Kilometer Fahrleistung sind 1,74 Pkw-Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren an Unfällen mit Personen beteiligt, bei den über 65-Jährigen liegt der Wert bei 0,85. „Senioren im ländlichen Raum sind sehr auf ihr Auto angewiesen“, sagt Goeth. „Gerade abends fährt kaum ein Bus“, so Goeth. Auch sei das Einkaufen zu Fuß oder mit dem ÖPNV für ältere Menschen besonders beschwerlich. Die Fahrschule Epple aus Ummendorf führt weiterhin Fahrfitnesschechs durch. Kosten pro Teilnehmer betragen 69 Euro, ADAC-Mitglieder zahlen 49 Euro. Im Rahmen des Projekts gewährt der Stadtseniorenrat jeweils einen Zuschuss von 25 Euro. Anmeldung bei der Fahrschule Epple unter Telefon 07351/21613 oder per E-Mail an info@fahrschule-epple.de Neben dem Fahrfitnesscheck für Senioren bietet der Stadtseniorenrat Biberach eine ganze Reihe an anderen Angeboten an. „Als im Jahr 2007 das Altersleitbild beschlossen wurde, dachten viele, das Konzept landet in der Schublade“, sagte die Vorsitzende des Stadtseniorenrats Marlene Goeth kürzlich im Hauptausschuss. Das dem nicht so ist, zeigt eine aktuelle Bestandsaufnahme der Seniorenangebote, die Goeth den Mitgliedern des Hauptausschusses vorstellte. Die Angebote erstrecken sich über sieben Themenbereiche: Gesundheit, Wohn- und Lebensformen, selbständiges Leben, Teilnahme am öffentlichen Leben, Akzeptanz und Mitgestaltung in der Stadt sowie ein angstfreies Leben. Seit 2011 sind rund 65 neue Angebote zu den bereits Bestehenden hinzugekommen beziehungsweise wurden ausgeweitet. „Ältere Menschen können sich in Biberach wohl und angenommen fühlen“, so Goeth. „Biberach entwickelt sich zu einer seniorenfreundlichen Stadt.“ Ein Video zu diesem Thema finden Sie unter schwaebische.de/fahrfitnesscheck-bc
BIBERACH KOMMUNAL Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Biberach  |  Mit den Teilorten Mettenberg, Ringschnait, Rißegg und Stafflangen Nr. 9 | 8. März 2017 Stadtseniorenrat hat vielfältige und hilfreiche Angebote geschaffen
Ältere können sich hier wohlfühlen Das Fazit vorneweg: „Ältere Men- schen können sich in Biberach wohl  und angenommen fühlen. Ihre Be- dürfnisse werden wahrgenommen  und nach Möglichkeit befriedigt. Bi- berach entwickelt sich zu einer senio- renfreundlichen Stadt.“ So steht es in  einer aktualisierten Bestandsaufnah- me der Angebote für älter werdende  Menschen entsprechend dem Biber- acher Altersleitbild, die kürzlich dem  Hauptausschuss zur Kenntnis gegeben  wurde.  D er Wohlfühlfaktor kommt nicht von un- gefähr, sondern ist Resultat von vielfälti- gen Angeboten, die in diesem Altersleit- bild gebündelt sind. Das wiederum hat  der Stadtseniorenrat erarbeitet, erstmals  vom Gemeinderat verabschiedet wurde  es vor nun bald zehn Jahren. Aktuell ge- hören dem in einem Verein organisierten  Stadtseniorenrat 37 Einrichtungen von  Caritas über kirchliche Institutionen, Feu- erwehr, Pflegestationen, Sozialverbän- de bis hin zum Sportverein sowie zwölf  Einzelpersonen an, Vorsitzende ist Mar- lene Goeth. „Wir wollen keine Lorbeeren  ernten“, sagt sie und hört ein Lob freilich  dennoch gern, zumal, wenn es um eh- renamtlich erbrachte Leistungen geht.  Der Stadtseniorenrat ist bestens ver- netzt, auch ins Rathaus. Christian Walz  sitzt im Seniorenbüro, einer Einrichtung  der Hospitalstiftung für die Bürgerinnen  und Bürger der Stadt, fungiert offiziell  als Fachberater. Und er ist nicht selten  auf dem kleinen Dienstweg unterwegs,  auf dem so manche Dinge einfacher zu  regeln sind und dementsprechend auch  geregelt werden. „Wir nutzen natürlich  Verbindungen“, sagt der kraft Amtes  ständig um das Wohl der älteren Bevöl- kerung besorgte Walz. Stadtseniorenrat  und Seniorenbüro haben das gemeinsa- me Ziel, den rund 8000 Leuten in einem  angenommenen Altersspektrum von 60  Jahre aufwärts das Angebot möglichst  bedarfsgerecht zu servieren. Was nicht  immer einfach ist!
Der    Stadtseniorenrat    folgt    sieben    Leit- linien.    Der    älter    werdende    Mensch    soll   seine    Gesundheit    so    lange    wie    möglich   erhalten    können;    er    soll    die    Wahl    zwi- schen     verschiedenen     Wohn-     und     Le- bensformen    haben;    er    soll    so    lange    wie   möglich    selbstständig    leben    können;    er   soll     Unterstützung     und     gesellschaftli- che    Akzeptanz    erfahren    und    am    öffent- lichen    Leben    teilhaben    können;    er    soll   mitwirken    und    mitgestalten    können;    er   soll    auf    alle    für    ihn    wichtig en    Informati- onen    zugreifen    können    und    er    soll    weit- gehend    angstfrei    leben    können. Seniorenfreundlicher Service Für    alle    Leitlinien    gibt    es    einen    in    kurz,   mittel-   und   langfristig   angelegten   Maß- nahmenplan,    der    die    Ziele    formuliert,   die     Zuständigkeit     benennt     und     auch   die    Kosten    einschätzt.    Die    Listen    sind   lang,     vieles     funktioniert,     muss     aber   von    Zeit    zu    Zeit    nachjustiert    werden,   manches    aber    auch    nicht.    Dass    die    ge- sundheitlichen    Aspekte    einen    gewissen   Raum    einnehmen,    versteht    sich    bei    der   Klientel     von     selbst.     Aber     es     sind     oft     die    ganz    profanen    Dinge,    die    beschäftigen:   Barrierefreiheit,     der     Weg     von     A     nach   B,    die    Wohnformen,    Betreuungs-    und   Freizeitangebote,    Mobilität    in    verschie- densten     Formen,     Fortbildungen     und   Vorsorge     bis     hin     zu     kriminalpolizeili- cher     Beratung.     Die     Aufzählung     könn- te      beliebig      fortgesetzt      werden.      Dass    Dienstleistungs-    und    Einzelhandels      un- ternehmen    in    der    Stadt    unter    dem    Titel   „Seniorenfreundlicher      Service“      zerti- fiziert    werden,    ist    auch    eine    Maßnah- me,    die    umgesetzt    wurde    und    immer   wieder     überprüft     wird.     Rund     90     Händ- ler     und     Betriebe     sind     erfasst.     Marlene    Goeth:   „Ein   Vorteil   für   beide   Seiten.“   Für   Christian    Walz    sind    es    oft    die    kleinen   Dinge,    die    Wirkung    haben,    „Botschaf- ten,    die    wichtig    sind“.    Sitzbänke    in    der   Stadt    waren    so    ein    Thema.    Es    gibt    jetzt   zehn    neue,    weil    das    Fehlen    an    manchen  
„Alle     wollen     alt     werden,     aber     keiner    will     es     sein!“     Das     Zitat     des     1987     im    Alter      von      85      Jahren      verstorbenen    Schauspielers     Gustav     Knuth     wird     oft    hergenommen,     wenn     es     mal     wieder    darum      geht,      die      nirgends      festge- schriebene     Grenze     von     alt     sein     zu     de- finieren.     „Man     ist     so     alt     wie     man     sich    fühlt“,     gehört     auch     in     die     Kategorie    von      Aphorismen,      die      sich      nicht      an    Jahreszahlen    festmachen    lässt,    bietet    aber       reichlich       Deutungsspielraum.    Worüber      Dr.      Rudolf      Metzger      (SPD)    in      der      jüngsten      Hauptausschusssit- zung     „gestolpert“     ist,     hat     mit     einer    Begrifflichkeit     im     Biber    acher     Alters- leitbild     zu     tun.     „Angebote     für     älter    werdende      Menschen“      träfe      es      nun    ganz     und     gar     nicht,     meinte     der     SPD- Rat,     und     damit     den     Nagel     schon     ein    bisschen      auf      den      Kopf.      Denn      älter    wird     man     quasi     ja     schon     von     Geburt   
an bis  gut, das Ende weiß gottlob  niemand vorher.  Marlene    Goeth,    die    Vorsitzende    des   Stadtseniorenrats    und    für    die    Freien   Wähler    im    Stadtrat,    nannte    es    einen   Kompromiss,    der    ihr    auch    nie    richtig   gefallen   habe.   Aber   die   Definition   von   Alter    sei    nicht    so    einfach.    Metzgers   Vorschlag    „Angebote    für    ältere    Men- schen    in    der    Stadt“    riecht    zwar    ganz   und   gar   nicht   nach   „Diskriminierung“,   könnte    aber    eine    Hemmschwelle    für   die   sein,   die   vielleicht   schon   älter   sind,   die    Einsicht    aber    mit    den    Lebensjah- ren    nicht    Schritt    hält.    Wobei    klar    ist:   Es    gibt    keinen    Zwang,    die    Angebote   des     Stadtseniorenrats     anzunehmen.   Es    ist    immer    noch    der    Freiwilligkeit   unterworfen.     Dabei     überwiegt     noch    immer    die    Dankbarkeit    derer,    die    sich   helfen    lassen    (müssen).    Ob    alt,    älter,   oder     älter     werdend.
„Alle wollen alt werden …“
Stellen     beklagt,     der     Bedarf     festgestellt    und    Abhilfe    geschaffen    wurde.    „Ohne   großen     Verwaltungsaufwand“,     betont   Walz,    der    ebenso    wie    Marlene    Goeth   immer    wieder    positive    Rückmeldungen   bekommt.    „Dafür    sind    wir    dankbar,    das   ist Ansporn.“ Bei aller Zufriedenheit über das Erreich- te   gibt   es   natürlich   auch   Dinge,   die   noch   nicht   abgehakt   sind.   Schade   sei   es   etwa,   dass    sich    die    Migrantenorganisationen   den   Angeboten   verschließen.   Es   gebe   da   keine   Gremien,   die   in   Altersgruppen   un- terscheiden,    meint    Marlene    Goeth,    da   laufe    alles    in    der    Familie    ab.    Aber    sie    ist   zuversichtlich,    dass    das    noch    kommen   werde.    Bei    der    Barrierefreiheit    in    den   Stadtteilen     besteht     noch     Handlungs- bedarf,     auch     das     Thema     alternative   Wohnformen   ist   ausbaufähig.   An   Arbeit   mangelt     es     also     nicht.     Dass     Biberach   nicht    arm    ist,    ist    hinlänglich    bekannt,   Gleiches    gilt    mit    Sicherheit    auch    für    die   Angebote,    die    der    älteren    Bürgerschaft   gemacht    werden    von    hoch    motivierten   Kräften         ehren-     und     hauptamtlich.   Marlene Goeth: „Was wir machen kön- nen, machen wir.“