10 Jahre Stadtseniorenrat Biberach e.V. 10 Jahre Stadtseniorenrat Biberach – Wie kam es dazu? Schon im Jahr 1997 wurde von der Diakonie, namentlich von Karl-Heinrich Gils, der „Stadtarbeitskreis Senioren“ ins Leben gerufen. Es ging damals vor allem um den Aufbau einer Stadtranderholung im Seniorenhölzle, und es wurde bereits ein (einfacher) Seniorenwegweiser erarbeitet. Mit 20 Jahren Verspätung ein herzlicher Dank an Diakonie und Caritas, die bereits damals die Grundlage für den späteren Stadtseniorenrat (SSR) geschaffen haben. Der demografische Wandel schritt voran und es wurde deutlich, dass ein kleiner Arbeitskreis allein die anstehenden Aufgaben im Seniorenbereich nicht würde schultern können. In Baden-Württemberg hatten sich damals bereits etliche Stadt- und Kreisseniorenräte gebildet, meist als freiwillige Zusammenschlüsse von Organisationen, Vereinen und Initiativen, die im Seniorenbereich tätig waren. Aus dem Stadtarbeitskreis kristallisierte sich in Biberach unter Federführung von Karl-Heinrich Gils und Eckehard Goecke eine Gruppe engagierter Personen heraus, die die Gründung eines SSR in Biberach vorbereiteten. Aber es gab unerwarteten Widerstand: Maßgebliche Gemeinderäte und Kreisräte wehrten sich öffentlich gegen das geplante neue Gremium. Die Mitglieder von Gemeinderat und Kreistag seien selber alle alt und könnten die Interessen der älteren Bevölkerung sehr wohl selbst vertreten, wurde argumentiert. Eine kommunale Unterstützung war nach diesen Äußerungen nicht zu erwarten. Aber ein SSR braucht das Wohlwollen und die Unterstützung von Stadtverwaltung und Mandatsträgern, wenn es z. B. um die Beseitigung von Barrieren in der Stadt geht, um Gehwegabsenkungen, um gehfreundliche Pflasterbeläge, um Sitzbänke oder um barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Einrichtungen etc.. Aufgrund der Widerstände gründete die Initiative im Februar 2003 keinen Stadtseniorenrat, sondern zunächst einen Verein namens „Arbeitsgemeinschaft Seniorinnen/Senioren“  (AG Sen. BC). Auf einen Eintrag ins Vereinsregister wurde verzichtet. Aber alle rechtlichen Vorschriften eines gemeinnützigen Vereins wie Satzung, Vorstand, Mitgliederversammlung etc. wurden eingehalten, sodass Spendenbescheinigungen ausgestellt werden durften. Von den 22 Gründungsmitgliedern sind heute immer noch 10 Personen Mitglied im SSR. Die AG Sen.BC stürzte sich unter ihren Vorsitzenden Eckehard Goecke und Ursula Bilger gleich in die Arbeit und konnte schon in kurzer Zeit Erfolge vorweisen, die das Ansehen der AG in der Öffentlichkeit und in den Gremien steigerte. In die Zeit der AG Sen. BC fiel z. B. die Erarbeitung des Biberacher Altersleitbilds mit Bestandsaufnahme und Maßnahmenplan, die Herausgabe eines umfangreichen Seniorenwegweisers, die Zertifizierung von seniorenfreundlichen Einzelhändlern und Dienstleistern sowie die Erarbeitung von untereinander vergleichbaren Kurzbeschreibungen von Pflegeheimen in Biberach und der näheren Umgebung. Auch kritische Geister in Gemeinderat und Kreistag mussten erkennen, dass sie diese umfangreichen Projekte selbst nicht hätten stemmen können, und der Widerstand erlosch. Im Gegenteil: Die Arbeit der AG wurde allseits gelobt! Im Jahr 2007 übernahmen Marlene Goeth und Edmund Wiest den Vorsitz in der AG Sen.BC und bereiteten die Umbenennung in „Stadtseniorenrat Biberach“ vor. Am 29. Januar 2009 war es dann soweit: Der Stadtseniorenrat Biberach wurde offiziell gegründet, die Satzung der AG Sen.BC erweitert und angepasst und der gemeinnützige Verein am 18. Februar 2009 ins Vereinsregister eingetragen. 36 Vertreter von Senioreneinrichtungen unterzeichneten die Gründungssatzung. Inzwischen gehören dem SSR 38 Einrichtungen und 16 Einzelpersonen an. In den letzten 10 Jahren konnten zahlreiche Projekte für Senioren in der Stadt verwirklicht werden, teils in Eigenregie des Stadtseniorenrats, teils zusammen mit dem Seniorenbüro und weiteren Kooperationspartnern. Hier einige Beispiele: Erarbeitung einer Vorsorgemappe und einer Notfallkarte (26.000 Ex. im Umlauf) Monatlicher Kinotreff 50plus mit Kaffee und Kuchen Vier wöchentliche Bewegungstreffs im Freien Schulung der Polizei im Umgang mit Demenzkranken Gründung des Kreisseniorenrats Biberach und maßgebliche Mitarbeit an verschiedenen Projekten Ausstellung von Alltagshilfen Alterssimulation mit dem Alterssimulationsanzug Mehrere Einweisungen in den Fahrkartenautomaten Regelmäßige Seniorenseite in der Schwäbischen Zeitung Vorträge auf zwei überregionalen Fachtagungen über „Alterspolitik und Altersplanung in Gemeinden“ am Beispiel Biberach Veranstaltungsreihen wie: - Erhalt der Fahrsicherheit von Senioren mit Angebot von FahrFitnessChecks - Schutz und Sicherheit für Senioren - Älter werden in Biberach - Lebensfreude erhalten – aktiv bleiben mit einem Angebot jeden Monat - Ehrenamt erfolgreich gestalten Einführung der Rotkreuzdosen Einsatz von Technikbotschaftern In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung konnten Verbesserungen für Senioren erreicht werden, z. B. Barrierefreie Zugänge zu mehreren öffentlichen Einrichtungen Gut begehbare Straßenpflaster Barrierefreier Umbau der Stadthalle und Hilfen für Hörbehinderte in der Stadthalle Blindentaster an Fußgängerampeln Barrierefreie Stadtbusse Mehr Sitzbänke in der Stadt Die bereits von der AG Sen.BC initiierten Projekte wurden und werden weitergeführt, z. B. die Herausgabe eines Seniorenwegweisers etwa alle drei Jahre, die Zertifizierung von derzeit ca. 90 seniorenfreundlichen Händlern und Dienstleistern, die Aktualisierung von Kurzbeschreibungen der Pflegeheime im Zweijahresrhythmus und insbesondere die Umsetzung des Maßnahmenplans, der als Ergänzung zum Altersleitbild entwickelt wurde. Der aktuelle Vorstand des SSR ist sehr froh über die gute Zusammenarbeit mit den verschiedensten Stellen in der Stadt, die diese Fülle von Verbesserungen für die Biberacher Senioren möglich gemacht haben. Vertreter des SSR arbeiten aktiv mit in verschiedenen Gremien wie z. B. dem Netzwerk Ehrenamt, dem Familienbündnis, dem Arbeitskreis Vorsorge treffen, dem Kreisseniorenrat oder beim Runden Tisch der Pflegeüberleitung der Sana-Klinik. Der SSR wird aber auch als direkter Ansprechpartner für ganz unterschiedliche Anliegen von Senioren wahrgenommen. Er versucht dann zu helfen, zu vermitteln oder durch Öffentlichkeitsarbeit auf Probleme aufmerksam zu machen. Beispiele hierfür sind kontrastreiche Schrift auf Informationstafeln und in print-Medien, z. B. dem Telefonbuch deutliche Darstellung der IBAN-Nummer auf Rechnungen Aufdeckung von falschen Seniorenberatern Schutzzeiten an Fußgängerampeln Vergrößerung von Beipackzetteln in Apotheken Sitzmöbel in Normalhöhe in öffentlichen Einrichtungen Handy-Busticket für Senioren Die Vielzahl und Breite der bearbeiteten Themen zeigt, dass Biberach einen Seniorenrat braucht. Die Aufgaben können in diesem Umfang nicht von anderen Senioreneinrichtungen oder städtischen Stellen wahrgenommen werden. Das Gremium hat sich etabliert, es wird nicht mehr infrage gestellt und es bleibt zu hoffen, dass sich immer aktive Seniorenräte finden, die sich den Bedürfnissen der wachsenden Zahl älterer Bürgerinnen und Bürger annehmen. gez. Marlene Goeth, 1. Vorsitzende des Stadtseniorenrats Biberach e.V. März 2019
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